Boyne Valley-Knowth

02.09.2006 Steinzeit und Einwanderer
Am Morgen schlafe ich erstmal eine Stunde länger. Danach geht es mit aufstehen und duschen. Der Kopf ist in Ordnung, aber beim englischen Frühstück, merke ich deutlich, dass mit dem Magen etwas nicht stimmt. Der Geruch von Eiern und Speck lässt ihn rebellieren und nicht einmal den Toast bringe ich hinunter. Oh oh, das kommt davon wenn man ein zwei oder drei Biere zuviel hatte. Also nur Tee und das reichlich. Danach geht’s ans zahlen und zurück Richtung Dublin, denn heute ist schon unser letzter Tag in Irland.

 

Fullerton Arms
Ballintoy

Wir fahren nochmal ein Stück der Antrim Coast, aber so schön das Wetter gestern war, so scheusslich ist es heute. Es regnet mal wieder. Und so verläuft die Fahrt durch die Antrim Glens eher unauffällig. Als wir dann auf der Höhe von Drogheda sind haben wir die Wahl, noch ein Kloster – Monasterboice oder ins Tal des Boyne und die Steinzeitgräber von Knowth und Newgrange anschauen.

 

Die Steinzeitgräber scheinen uns interessanter und so fahren wir ins Tal des Boyne. Den Eingang zu finden ist wieder mal nicht einfach, die Beschilderung ist in den letzten 2 Tagen nicht besser geworden. Und der Sprit wird knapp.. Aber wir finden das Visitor Center und fragen, was für Touren möglich sind. Newgrange erst wieder um 16.15 Uhr, das ist zu spät, aber Knowth um 15 Uhr, das ist i.O. Die Stunde vorher verbringen wir im Museum, schonmal ein sehr interessanter Ausblick.

altes Cottage Antrim Glens
Boyne Visitor Center
Satellitengrab in Knowth
Angler im Boyne

Das Boyne Valley (gälisch: Brugh na Bóinne), nördlich von Dublin im Co. Meath in Irland gelegen, ist eine von mehreren großen Ansammlungen prähistorischer Kultstätten, von denen noch einige, darunter mit großen Steinen eingefasste Grabhügel erhalten sind, die vermutlich zwischen 3500 und 2500 v. Chr. entstanden. Die Anlagen von Dowth, Knowth und Newgrange gehören seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe

 

Knowth ist als Teil des Bru-Na Boinne-Komplexes, eine große Ansammlung von vorzeitlichen Megalithanlagen bei Donore im Boyne Valley, im Co. Meath in Irland. Rund 1 km nord-westlich von Newgrange und 2 km westlich von Dowth gelegen. Der Haupthügel übertrifft in seiner Größe beinahe alle Megalithanlagen Irlands

Nicole vor Woodhenge
Gangrab in Knowth

An der Bushaltestelle holt uns dann der Knowth Bus ab und bringt uns direkt zur Ausgrabungsstätte. Dort wartet unser Führer schon auf uns.Er erklärt uns die verschiedenen Besiedlungen, die von 4.000 v. Chr. bis ins 15. Jh reichen. Die ursprünglichen Gräber wurden mehrfach übersiedelt.Die Anlage selbst besteht aus einem Haupt und 17 Satellitengräbern.

Der ovale Haupthügel hat einen Durchmesser von 80 m bzw. 95 m (275 m Umfang) und ist fast 10 m hoch. Er war, innerhalb des Randsteinkreises aus 127 Steinblöcken (jeder über 2m lang) von einem sehr viel später angelegten Graben umgeben. Eine Unterbrechung des Randsteinkreises liegt bei Satellit Nr. 16. Da es vor der Anlegung des Ostgrabes bereits existierte, wurde bei der Anlage des Randsteinkreises Rücksicht darauf genommen. Sein Zugang wurde in einen neu geschaffenen abgeknickten Gang verlegt, ein Unikat in der megalithischen Architektur Irlands. Der Hügelaufbau erfolgte in Schichten aus Grassoden, Lehmbrocken, Rollsteinen und Schiefer

das Hauptgrab in Knowth

Das jüngere Ostgrab ist über 40 m lang. Sein Gang ist mit 30 m² der längste aller Ganggräber. Das 9 m hohe Kraggewölbe der Kreuzkammer ist das höchste Irlands. Die horizontal aufgelegten Steine des Ganges sind zur Mitte hin, wo die Belastung durch den Hügel zunimmt, mitunter gebrochen oder Seitensteine des Ganges sind in den Gang verkippt. In der Mitte einer gepflasterter Bodenfläche, die genau vor dem Eingang liegt, stand einst ein kleiner Menhir. Sechs weitere hufeisenförmige oder runde, jedoch ungepflasterte Steinsetzungen liegen nahe der Randsteine des Hügels (zwischen Nr. 8 und 14). Der Eintrittsstein vor dem Gang (Nr. 74) ist mit besonderen, geradlinigen Markierungen versehen, die sich im Stil deutlich von den Spiralmustern von Newgrange und den Westray Stones unterscheiden. In der rechten Seitennische befindet sich ein als „Dagda’s Couldron“ bezeichneter Schalenstein, auf dem vermutlich die Asche der Verstorbenen niedergelegt wurde. Ein spiralförmig verzierter Keulenkopf, der in der Anlage entdeckt wurde, zeigt Analogien zu Artefakten der Grooved ware.

Kunst in den Ganggräbern

Laut unserem Führer war der o.g. Schalenstein bereits da bevor der Hügel gebaut wurde, weil er nicht durch den Gang gepasst hätte.Und die Erde auf dem Grab wiegt schlaffe 300.000 t (kann das sein?)
Jedenfalls beeindruckend was die alten Steinzeitler fertiggebracht haben. Die Gänge sind so genau ausgerichtet, dass die Sonne immer am Tag der Tag- und Nachgleiche (äquinoktium) in die Gänge scheint
Die Randsteine sind mit etlichen Verzierungen und „Inschriften“ versehen, eins davon eine Art Kalender. Dann gibt es noch einen Opferkreis, der eine Anordnung wie in Stonehenge zeigt, nur dass es hier Holzpfähle waren die die Anordnung markierten.

 

Steinkunst 4000 B.C.
unser Guide in Knowth
Knowth Ritualstein
Satellitengrabhügel Knowth

Die Zeit vergeht fast zu schnell, aber der Bus wartet und bringt uns zurück zum Besucherzentrum. Von dort fahren wir jetzt im Schongang zum Flughafen, keine Lust, dass uns noch der Sprit ausgeht. Aber wir schaffen das. Am Flughafen suchen wir dann die Mietwagenrückgabestelle. Die wird grade umgebaut und Schilder, ach das kennen wir ja schon. Ich fahre einfach da hin, wir geben den Wagen herhaben und Voila, dort sind wir sogar richtig. Also Wagen entsorgt und dann mit einem Taxi zu unserem Hotel.

Der Taxifahrer erzählt, dass das in einer Gegend liegt, die früher eine No Go Gegend war. Fabelhaft. Stehen auch noch jede Menge Mietskasernen dort, die plattgemacht werden sollen. Etliche Mieter sind schon ausgezogen, aber einzelne wohnen auch noch dort. Das Hotel ist modern, aber im Restaurant gibt es nur Buffet für 20 Euro - mein Magen hat sich zwar stabilisiert, aber dafür reicht es noch nicht. Also trauen wir uns raus. Nicht allzu weit weg ist ein Supermakt. Dort stellen wir fest, dass hier vor allem polnische Gastarbeiter wohnen und einkaufen. Man kann polnische Wurst kaufen und die Namen der Angestellten sind bestimmt nicht irisch. Wir kaufen keine Kielbasa sondern lassen uns ein lecker Sandwich (30 cm) nach Wahl machen. Dazu noch das unvermeidliche Bier und ein paar Bananen. Im Hotel verputzen wir das Ganze und nach dem Länderspielsieg über Irland (1:0 in Stuttgart, welch eine Ironie) legen wir uns schlafen, denn für morgen um 4 haben wir ein Taxi bestellt.
Nicole meint, dass Nachts dann etliche mal die Polizeisirenen geheult haben, ich hingegen habe fest geschlafen ;-))
KM: 298
Hotel: Days Hotel Dublin **

03.09.2006 Bye Bye Irland
Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker, kurze Zeit später steigen wir ins Taxi, das uns zum Flughafen bringt. Mit dem Fahrer bespreche ich das Spiel, er ist zufrieden, sagt der Sieg geht i.o. Finde ich auch. Am Flughafen herrscht trotz der frühen Stunde schon wieder Hochbetrieb. Und an der LH Schlange ereignet sich etwas was diverse Klischees voll bestätigt.
Eine kräftige Afro amerikanische Dame steht vorne am Schalter mit 2 Koffern in die ich meinen gesamten Hausrat packen könnte. Die Dame am Schalter versucht ihr zu erklären, dass das nicht geht, sondern nur ein Koffer und 20 kg erlaubt sind. Diese Botschaft kommt aber nicht an, Mrs. Koffer möchte unbedingt diese Koffer mitnehmen. „but these are my suitcases“- Ja klar, ich hab draussen noch ein Auto, kann ich das auch aufgeben?

Dublin Airport

 

Airbus A 319 back in Frankfurt

Manche Leute dürften einfach nicht fliegen. Irgendwann endet dann auch dieses Drama (die Diskussion wird woanders fortgesetzt), und wir dürfen einchecken.  Im Innenbereich noch ein paar kleine Einkäufe und dann rein in den LH Flieger, der uns in 90 Minuten nach Frankfurt trägt.
Dort mieten wir einen Wagen, der sich als Mini herausstellt. Pfeift und klappert, bringt uns aber sicher nach Hause. So endet also unser erster Trip nach Irland mit dem Fazit, dass es uns ziemlich gut gefallen hat.

Und jetzt her mit den Linsen und Spätzle!

Irland
Antrim Coast Irland