Lissabon

Lissabon
Am frühen morgen checken wir schon wieder aus dem Hotel aus, denn TAP fliegt sehr früh von Hamburg nach Lissabon. Und an Bord sind Holger und Manuela, die wir am Flughafen erwarten wollen. Den Flughafen zu finden ist einfach, aber der Flug ist nicht auf dem Panel? Seltsam, aber irgendwie kommen Sie dann trotzdem an und wir können unsere gemeinsame Reise beginnen. Der erste Weg führt uns zum Hotel und wir haben ja unser schickes neues Navi dabei. Nur schade wenn die Adresse die falsche ist….

wo sind wir hier?
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Die Besiedelung wird immer dünner und wir können uns nicht vorstellen, dass hier noch ein internationales Hotel sein soll. Irgendwann mitten in Portugal geben wir auf und fahren mit einer anderen Adresse zurück in die Stadt. Diese erweist sich dann als besser und nach zwei Ehrenrunden um den Block stehen wir dann tatsächlich vor dem Hotel Sana Malhoa ****.Dort können wir das Gepäck zurücklassen und können in ca. 1 h das Zimmer beziehen. Nun warum nicht. Wir gehen so lange frühstücken. Holger und Ela haben nach dem 4 Uhr aufstehen ohnehin Hunger und auch wir hatten keine Chance was zu essen. Fein ist übrigens, dass man in Portugal mit Englisch überhaupt keine Probleme hat. Lange Seefahrer und kurze Touristen Traditionen haben das möglich gemacht. Nur das Kaffeekochen haben sie nicht erfunden. Das Zeug ist verdammt stark und bitter….

Na ja was solls. Zurück im Hotel beziehen wir erst mal die Zimmer und lassen den unnötigen Ballast da. Das Auto kommt in die Tiefgarage. Und wir machen uns auf zur nicht weit entfernten U-Bahn Station Praca de Espanha. Mit den Billets gibt es etwas Schwierigkeiten, das System hat seine Tücken, aber am Ende stehen wir doch am richtigen Gleis und fahren bis Praca Rossio. Dort sind wir schon ziemlich im Kern der Stadt. Was gibt es denn hier zu sehen? Zunächst den Platz dessen Mosaik Scharen von Sträflingen in Ableistung ihrer Strafe hier zusammengetragen wurden.

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Kann einen ganz schön wirr machen. Am Nordende des Platzes steht das staatliche Theater Dona Maria 2. aus dem Jahr 1847 und in der Mitte des Platzes auf einer 27 m hohen Säule thront Pedro der IV. Pedro aus der Dynastie Braganza (eigentlich die einzig Nennenswerte) kehrte Portugal kurzerhand den Rücken, setzte seine Tochter auf den Thron und wurde Kaiser von Brasilien. Keine schlechte Karriere, aber auch ein vaterlandsloser Geselle – oder? Unten an der Säule sind im Relief 16 wichtige Städte Portugals dargestellt. Wie 16? So viele Städte gibt es hier? Und dann auch noch wichtige. Na ja ich kenne nur 2 bin aber auch aus dem fernen Osten wie es scheint. Den Platz schmücken auch 2 französische Brunnen mit reizenden Wassernixen….

Los weitergehen.. Durch einen schmalen Durchgang kommt man zu einem weiteren wichtigen Platz in Lissabons Innenstadt dem Praca da Figueira. Hört sich toll an? Heißt aber nur Feigenbaumplatz. Auch hier wieder ein Bronzestandbild, diesmal von einem stolzen Reitersmann Joao dem I. dem Verteidiger des Vaterlandes, der Portugal im großen Vaterländischen Krieg von der Vorherrschaft Kastiliens befreite und die Unabhängigkeit erreichte. Hier sieht man auch erstmals die berühmte Straßenbahn, über die im Folgenden noch mehr zu berichten sein wird. Als Stuttgarter finde ich dass die Wagen große Ähnlichkeit mit der alten Stuttgarter Straßenbahn haben. Pflichtet mir jemand bei?

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Wenige Strassen weiter trifft man dann auf eine weitere Sehenswürdigkeit von Lissabon, den Elvador Santa Justa. Um die Höhenunterschiede in der Stadt einfacher zu machen hat man hier 1902 im Zeitalter des Stahls den 6 stöckigen Aufzug errichtet. Im neo maurisch gotischem Stil mutet das nach unten verjüngte Bauwerk etwas seltsam an. Auch die Auffahrt ist stark reglementiert, ein Fahrstuhlführer regelt das aus- und einsteigen. Die Fahrt über 32 m ist recht gemächlich und ziemlich ruckelig. Keine 30 m/s eher 30 m/m min. Im Kopf des Aufzuges auf 45 m höher und einer steile Wendeltreppe weiter ist dann ein kleines Restaurant eingebaut, wo man ein Bier trinken, oder aber wie wir den Umblick auf die unter uns liegende Stadt genießen kann. Schaut alles recht geordnet aus. Na ja 1755 machte ein schweres Erdbeben die Stadt dem Erdboden gleich.

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So nutzt man die Chance die zerstörten Bezirke nach für 1755 modernsten Gesichtspunkten wieder zu errichten. Seitdem scheint sich auch nicht viel geändert zu haben…. Rechts sieht man den Tejo, vor uns die Burg und links der Rossio mit seinem wilden Mosaik und ständig stehen einem diese Touristen vor der Linse ;-))
Wenn man den Aufzug verlässt kommt man an einer Kirche oder vielmehr den Resten davon vorbei. Es handelt sich um die Karmeliterkirche Nossa Senhora do Carmo. Drinnen ist ein archäologisches Museum. Von mir aus… Direkt daneben ist ein offizielles Gebäude für die Militärpolizei vor dem sich gerade eine Garde postiert. 

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Der dickliche Unteroffizier lässt die Buben tanzen, denn nach kurzer Zeit kommt lässig salutierend eine offensichtlich wichtige Persönlichkeit heraus. Nachdem dieser weg ist, verschwindet auch die Ehrengarde und lässt nur einen einsamen Wachposten zurück. Auch wir wenden uns ab und gehen weiter den Hügel hinauf zur berühmten Kirche Igreja des Sao Roque.

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Wie, dieser nichts sagende Bau soll eine der bekanntesten Kirchen Portugals sein? Allenfalls sieht man ihr an, dass sie 1556 erbaut wurde. Aber das ändert sich als wir ins Innere treten. Gold soweit das Auge reicht. In früheren Jahrhunderten war Portugal eines der reichsten Länder der Welt, mit Kolonien an allen  Ecken des Globus. So wurde kurzerhand die Kapelle von Johannes dem Täufer (Capella de Sao Joao Baptista) dort gekauft, wo die Kunst der Renaissance gemeinhin zu Hause ist: in Italien. Lieferung frei Haus… Nicht schlecht, Marmor aller Art, edelste Hölzer und allerlei Edelmetalle machen hier das Gesamtbild aus. Ok…

Jetzt schauen wir doch lieber mal das normale Leben an. Die haben hier echt einen an der Kachel. Und das schaut auch noch gut aus. Die blauen Azulejos zieren hier etliche Häuser mit den verschiedensten Musterungen. Das sieht, wenn es gepflegt ist schön aus. Die Strasse endet dann am Largo de Chiado, benannt nach dem Kerl der hier auf dem Sockel steht, dem Mönch und Dichter Antonio Ribeiro Chiado. Na soll er halt dort stehen.

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Viel interessanter ist, dass um diesen Platz hier die berühmte Tram No.28 ihre Schleife hat. Und da bimmelt sie auch schon um die Ecke, die Geschwindigkeit atemberaubend einer Schildkröte gleich. Trotzdem sollte man unbedingt mit diesem nostalgischen Vehikel gefahren sein. Für den Moment gehen wir aber noch weiter zwischen den beiden Kirchen Igreja Loreto ou dos Italianos und Igreja da Encarnacao hindurch. Kirchen gibt es in Lissabon zu Hauf, von daher ein kurzer Blick, und dann nichts wie weiter.

Den Berg hinab kommt man wieder zur Rua do Arsenal die wiederum zum Tor Triunfal da Rua Augusta führt. Dieser Triumphbogen ist der Eingang zum Praca die Commercio. Dieser durch Verissimo da Costa gestaltete Torbogen besitzt eine große Uhr sowie mehrere Allegorien der Bürgertugenden Ehre, Scharfsinn und Mut sowie Statuen des keltiberischen Führers Viriathus, des Nationalhelden Nuno Alvares Pereira, des portugiesischen Entdeckers Vasco da Gama und des Marquis von Pombal. In der Mitte des Platzes wieder einmal ein Reiterdenkmal. Dieses hier zeigt Jose den I. Der war König während des großen Bebens von 1755 und sein Premier der Marquis de Pombal initiierte das große Wiederaufbauprogramm das viel zu Lissabons heutigem Gesicht beigetragen hat.

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Toledo

Auch Portugal hatte sein „Sarajevo“ und so wurde hier 1908 der vorletzte König Carlos von revolutionären Republikanern erschossen. Doch bis nach Europa und der Demokratie sollte noch geraume Zeit vergehen. Nach dem Ablaufen des Platzes, von dem man auch nach Belem fahren kann gehen wir zurück durch das Tor. In eines der vielen Straßencafes setzen wir uns nieder und schauen noch ein wenig den vor rüberziehenden Menschen zu. Das ganze wird natürlich recht angenehm mit einem Schluck des Nationalen Biers Nummer 1 oder 2 – Sagres. Was will man mehr? Aber langsam wird es auch Zeit ins Hotel zurückzukehren, was wir wieder mittel U-Bahn machen. Zum Abendessen gehen wir in die Nähe des Hotels in einen leckeren Grill. Na denn, schöne Nacht..

mehr Lissabon  in Belem  oder lieber ein Schloß gefällig in Queluz...?

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